Die Genossenschaftsidee

Der Ausgangspunkt der Genossenschaftsidee war ein ökologisches Nachhaltigkeitsproblem. Im 19. Jahrhundert führte das starke Bevölkerungswachstum zu einer Intensivierung der Landwirtschaft, die eine natürliche Regeneration der Böden nicht mehr zuließ. Die Folge waren sinkende Erträge und Missernten. Große Teile der ländlichen Bevölkerung stürzten in bittere Armut.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der Begründer der Genossenschaftsidee, sah die Lösung in der Versorgung der Bauern mit günstigen Krediten und Anlagemöglichkeiten. Dadurch sollten sie in die Lage versetzt werden, sich landwirtschaftliche Gerätschaften, Dünger und Vieh zu kaufen.

Raiffeisen gründete zwei Wohltätigkeitsvereine, in deren Rahmen wohlhabende Bürger hilfsbedürftigen Bauern Kredite zur Verfügung stellten. Weil die wohltätigen Bürger aber keinen ausreichenden Anreiz hatten, sich langfristig zu engagieren, wandelten sich die Vereine bald in Instrumente der Selbsthilfe. Die Mitglieder halfen sich nun gegenseitig. Damit hielt die Idee der modernen Genossenschaft Einzug im ländlichen Raum. Sie war wenige Jahre zuvor von Hermann Schulze-Delitzsch entwickelt worden, um den durch die Industrialisierung unter Druck geratenen Handwerkern zu helfen.

In der Folge gründeten sich weitere Genossenschaftsbanken, die zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung von Landwirten, Handwerkern und Gewerbetreibenden beitrugen. Landwirte konnten sich Dünger kaufen, der dem Boden die entzogenen Nährstoffe zurückgab, Handwerker und Gewerbetreibende erhielten Kredite, mit denen sie in ihren Betrieb investieren konnten. Die dauerhaft erfolgreiche Beseitigung der wirtschaftlichen Not dieser Bevölkerungskreise sollte sich bald als wichtiger Beitrag zur Lösung der „Sozialen Frage“ herausstellen.